Für KrankengymnastInnen eine ungewöhnliche Aussage, sind sie es doch in aller Regel, die etwas bewegen. Da wir alle lebendiger Bestandteil unserer Gesellschaft sind werden wir auf dieser Seite wechselnde Themen behandeln, die uns alle bewegen. Dies können sowohl Themen der Gesundheitspolitik, sein oder aber auch zu Krankheitsbildern, Kostenträgern, Ärzten und Patientenschilderungen.

Beginnen möchten wir mit einem häufig vorkommenden Thema aus unserer täglichen Praxis, da Eltern mit der Behinderung ihres Kindes erstmalig durch uns konfrontiert werden. Dieses Thema interessiert uns sehr. Deshalb möchten wir auch an dieser Stelle versuchen, eine kleine Hilfestellung zu geben:

Selbstverständlich gehen alle Wünsche und Erwartungen werdender Eltern von einem nichtbehinderten Kind aus. Welch ein Schock muß es in dieser Situation sein, diesen Lebenstraum während, kurz oder länger nach der Geburt zerstört zu sehen.... Wir sagen ganz bewußt "dieser" Lebenstraum. Denn diejenigen Eltern, die lernen, sich der völlig andersartigen Aufgabe eines behinderten Kindes zu stellen, können sehr wohl auch einem Lebenstraum nacheifern. Sicher ist er schwieriger zu verfolgen und verlangt mehr Kraft aber er kann gerade deshalb auch zu größerer Selbsterfüllung führen. Grundvoraussetzung ist, die geänderte Ausgangslage in ihrer ganzen Tragweite für sich selbst zu verinnerlichen und zu akzeptieren. Natürlich bedeutet dies Kampf, immerwährenden Kampf mit sich selbst und der Umgebung. Gepaart mit realistischem Optimismus ist eine sehr gute Voraussetzung gegeben, eine derartig gewaltige Lebensaufgabe zu erfüllen.

Mit unserer fast 40jährigen Praxiserfahrung ist uns vieles an Verarbeitungsmöglichkeiten bekannt. Zu unseren schönsten Erfahrungen zählen die Mütter und Väter die gelernt haben, mit der ganzen Palette alltäglicher Diskriminierung, von der Behördenwillkür über Kindergarten- und Schulproblemen bis zu Stammtischparolen aber natürlich auch familiären Konflikten fertig zu werden und sich und ihr Kind behaupten. Was kann schöner sein, als sich an einer größtmöglichen Integration und Selbständigkeit menschlichen Handelns zu orientieren?

An dieser Stelle möchten wir eine betroffene Mutter zu Wort kommen lassen mit folgendem Beitrag:

Willkommen in Holland
von Emily Perl Kingsley

Ich werde oft gefragt zu erklären wie man sich fühlt ein Kind aufzuziehen, das eine Behinderung hat --- um Leuten das Gefühl dieser einzigartige Beziehung zu erklären benutze ich gerne eine Parabel. ES IST SO:

Wenn man ein Baby bekommt, ist es so als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt --- nach Italien. Man kauft eine Menge an Touristenführern und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Den Michaelangelo, David, Die Gondeln in Venedig. Man lernt bestimmt auch ein paar Wörter auf Italienisch. Kurz es ist eine sehr schöne Zeit.

Nach einigen Monaten der schönen Vorbereitung ist endlich der große Tag da!!! Du packst deine Koffer!!! Einige Stunden später, das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt "Willkommen in Holland".

"Holland?" sagst du. "Was meinen Sie? Ich habe doch einen Urlaub nach Italien gebucht!!! Ich soll doch in Italien sein. Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt nach Italien zu fliegen."

Aber da war eine Flugplanänderung. Der Flieger ist in Holland gelandet und du musst da bleiben.

Das wichtigste ist, dass du nicht in einem dreckigen, seuchenverpesteten Land gelandet bist. Es ist nur anders!!

Also, jetzt fängst du wieder an und kaufst neue Touristenführer. Du musst jetzt eine völlig neue Sprache lernen. Und du wirst eine total neue Gruppe von Menschen treffen, die du vielleicht niemals kennen gelernt hättest, wenn die Dinge anders wären.

Es ist nur ein anderer Ort. Es ist langsamer als Italien, vielleicht nicht so viel Glamour. Aber wenn du eine Zeit lang dort bist, merkst du schnell, dass es auch seine Vorteile hat. Du fängst an um dich zu schauen: Holland hat wunderschöne Windmühlen, Holland hat Tulpen. Holland hat sogar Rembrandt.

Aber jeder, den du kennst, ist zu beschäftigt, die Schönheit Hollands zu erkennen, denn alle sind auf dem Weg nach Italien. Alle erzählen wie toll es doch in Italien ist und was für eine tolle Zeit der Urlaub doch war. Und --- für den Rest deines Lebens wirst du dir sagen, "Ja, das ist der Urlaub den ich geplant hatte! (Italien) Da wollte ich auch hin!!"

Und das Gefühl verletzt zu sein, einen Traum verloren zu haben wird nie verschwinden. Denn ein großer Traum ist nicht wahr geworden, ein großer Verlust!!!

Aber wenn du immer und immer wieder den Verlust deines Italien Urlaubs beweinst, wirst du niemals die Schönheit Hollands und dessen spezielle Sehenswürdigkeiten sehen, kennen und lieben lernen. Denn Holland ist genauso wie Italien eine Erfahrung für sich und den Betrachter.

(c) Emily Perl Kingsley. Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck mit Genehmigung der Verfasserin.

 

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